"Unerklärliche Traurigkeit"
Sensitive Menschen haben manchmal seltsame Gefühle, die aus der eigenen Persönlichkeitsentwicklung nicht erklärbar sind.
Ein Mädchen hatte, ohne Grund, Gefühle wie, es sollte sterben, dürfte nicht leben, sah vor sich nur etwas wie eine schwarze Wand. Dabei war doch alles in Ordnung in ihrem Leben, sie war gesund, hatte ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern, ein schönes Studium, einen netten Freund.
Eine feinfühlige Beraterin fühlte sich während des Gesprächs in die Familie des Mädchens ein und sah eine seltsame Szene. Es war ein Bild wie aus alter Zeit, Wagen und Pferde, verschlammte Wege, ärmlich gekleidete Leute wie auf der Flucht, Bauern auf dem Acker. Etwas, das aussah, wie ein totes Kind, in einen Kartoffelsack eingewickelt, wurde von den Flüchtenden jemand übergeben, und die Familie zog traurig und schweigend weiter...
Die Beraterin war so mutig, dem Mädchen dieses seltsame Ereignis zu erzählen, und ermutigte es, in der Familie zu fragen, ob es so ein totes Kind wirklich gegeben hatte. Ist es vielleicht "vergessen", nicht genügend betrauert, und fühlt das Mädchen nun dessen Gefühle?
Als das Mädchen wieder kam, erzählte sie: Ja, wir haben das tote Kind "gefunden".... Die Eltern des Vaters wurde nach dem Krieg aus der Heimat vertrieben. Unterwegs bekam die Mutter ein Kind das nach einem Tag gestorben ist. Man hat in der Familie fast nie darüber gesprochen. Die ältere Schwester des Vaters, die damals mit dabei war, wußte nur etwas von "Bauchweh" und daß die Mutter einige Tage in einem Krankenhaus war. Viel später sprach die Mutter nur sehr flüchtig darüber. Beim Tod der Mutter fand man nun die Geburtsurkunde des Kindes.
Das Mädchen wußte nun woher die Traurigkeit kam. Die Trauer hat nun ein Ziel. Nun kann das Kind einen Platz in ihrem Herz bekommen.. Es geht ihr besser. Sie kann wieder froh in die Zukunft schauen.
Ähnliche Gefühle finden wir oft auch bei Geschwistern von abgetriebenen Kindern.
Für unser seelisches Empfinden ist es egal ob ein Mensch lange oder kurz gelebt hat, alle gehören dazu. Mit denen, die ein schweres Schicksal hatten und dann "vergessen" wurden, fühlt die tiefe Liebe in uns besonders mit. Das unbewußte Mitleiden hilft aber nicht - die Schwermut geht endlos weiter. Erst das Bewußtmachen befreit.
Wie? Indem wir sie uns innerlich vorstellen und mit Liebe an sie denken. Das kann zum Beispiel in einer Familienaufstellung geschehen, oder in einer Meditation oder einem Gebet oder Ritual. Dann kommt die Seele zum Frieden, und unerklärliche Symptome verschwinden.
Es scheint als hätte dieser Mensch noch etwas "gebraucht" um ins Licht gehen zu können. Die Heilung ist also für beide. Und auch die anderen in der Familie werden eine positive Veränderung spüren - sogar ohne daß sie von unserer geistigen Arbeit etwas erfahren.
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