"Helfersyndrom"
Warnung. Das Lesen dieses Textes könnte Helfern helfen. Nur lesen wenn man sich helfen will.
Helfen hat ein hohes Sucht-Potential.
Manche sagen, wie die Heroinsucht.
Bei Sucht hilft manchmal nur ein Schock.....
(ich meine hier selbstverständlich nur das übertriebene Helfen.)
Jemand verglich den "Helfer" mit dem "Pillendreher", genannt auch Skarabäus oder Mistkäfer, der mit seinen Hinterfüßchen eine Pille aus Mist rollt und meint, mit seinen Füßen drehe er die Welt.
"O wie stolz und scheinbar stark sind die hilflosen Helfer, o welch arme Kinder sind sie wirklich, wie würde ich sie gern an mein Herz drücken, damit sie sich in den Schlaf weinen und von der guten lieben Seele ihrer Mutter träumen und getröstet werden." - so hat einmal ein russischer Physikus und Schriftsteller seine Liebe für die hilflosen Helfer ausgedrückt.
Diese Beschreibung deutet schon auf eine Lösung.
Zuerst, und um die später erklärte Lösung zu verstehen, müssen wir wissen daß - wie es statistisch belegt ist - viele sich entschließen, Helfer zu werden, weil sie als Kinder meinten, ihrer Mutter helfen zu müssen, oder jemand anders in der Familie, der leidet.
Der Helfer oder die Helferin ist ganz innen ein Kind, das (zum Beispiel) seine kranke Mutter sieht und in kindlicher, blinder Liebe meint, sie durch eigenes Leiden und Opfern retten zu können.
Später wird das Kind zum Beispiel Krankenschwester, Rettungsassistent, Mediziner, Anwalt der Entrechteten... und verstrickt sich oft in einer scheinbaren Mutter-Rolle für andere, scheinbar hilflose scheinbare Kinder.
Oder es heiratet einen Süchtigen und wird co-abhängig, oder es sucht sich einen kranken Partner und führt ein Opferleben.
Doch die Wirklichkeit ist anders. Das Kind kann die kranke Mutter (oder Vater, oder Bruder, oder Schwester) nicht retten. Und auch einem Fremden können wir nur manchmal und nur wenig helfen - selbst ihn heiraten ändert nichts daran. Vor allem nicht aus der überlegenen Position heraus, denn das nimmt dem anderen seine Würde. Jeder muß für sich verantwortlich bleiben und seine eigene Lernaufgabe meistern.
Weil der Helfer aber sein Glück so mit dem der anderen verknüpft, bleibt er verwundbar und abhängig und wird oft geradezu süchtig nach dem Helfen.
Manche "Hilflose" spüren das und geben dem Helfer aus Mitleid die Illusion, geholfen zu haben, spielen gleichsam die Mutter für den Helfer, ernähren sein Selbstwertgefühl.
Andere "Hilflose" aber ergreifen die Macht, manipulieren den Helfer, fädeln ihm einen Ring in die Nase und führen ihn hin, wohin sie wollen, oft in Unglück und Erschöpfung. Darum gibt es den Spruch "Opfer sind gefährlich."
Was hilft also dem Helfer? Daß er zurücktritt, sich vor seinen eigenen Eltern verneigt, die Liebe und das Leben von ihnen annimmt, sich bewußt wird: "Ich bin nur ein Kind.". Daß er sein Leben nimmt, auch angesichts eines Leidenden in seiner Familie. Daß er die Grenzen des Helfens erkennt, zuerst in der eigenen Familie. Daß er seine eigenen Quellen des Glücks findet, unabhängig von anderen.
Und was hilft ihm in seinem Beruf oder seiner Berufung? Daß er auch draußen in der Welt die Grenzen des Helfens erkennt. Daß er zum Beispiel neben dem "Hilflosen" auch dessen Familie sieht, und die Personen achtet, die der "Hilflose" aus seinem Herz ausgeschlossen hat, und von denen er Kraft bekommen könnte - daß er das Gesetz von Geben und Nehmen achtet, das beim Anderen das Nehmen einschränkt, auch das Schicksal des "Hilflosen" achtet, dem dieser sich selbst stellen muß.... auf einmal ist der Helfer nicht mehr gar so wichtig. Der helfer, der in die größeren Zusammenhänge blickt, wird bescheiden.
Das war jetzt Hilfe für den Helfer.
Was kostet sie ihn? Was ist die Entzugs-Erscheinung, wenn einer von seinem Helfen-Müssen einen Entzug machen will? Das schlechte Gewissen, für eine Weile. Und: Er muß Abschied von seiner "Größe" nehmen. Er ist nun nicht mehr so "groß", wie ein "Heiliger" oder "Märtyrer", sondern er ist nun einer von den anderen Menschen, wie die anderen auch.
Das schlechte Gewissen wird nach und nach leichter, wenn man den Weg der Lösung und Leichtigkeit weitergeht. .
Das mit der Größe, das kann man verkraften, wenn man sieht daß die normalen Menschen auch ganz nett sind.
Mit der Zeit ist das "kontrollierte Helfen", also das Helfen mit Maß, möglich, so wie das "kontrollierte Trinken" bei einem wirklich geheilten Alkoholiker. Auch so was gibt es. Es wird möglich, Freude und Lockerheit beim Helfen zu haben.
Gott sei Dank für die vielen ausgeglichenen und humorvollen Helfer, die es gibt! In Gegenwart eines solchen Helfers wachsen wir ohne viele Worte.
Vielen Helfern, auch mir, hat das Buch von Bert Hellinger "Ordnungen des Helfens" geholfen.
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