Die Nicht- Lösung
Manchmal entscheidet sich ein Mensch, nachdem er vor eine Entscheidung gestellt wird, den vertrauten Weg weiterzugehen. Es scheint, als wäre das "Leiden" leichter als die "Lösung". Die Lösung wird "vergessen" (ins Unbewußte verschoben). Den alten Weg geht er nun ernster und bewußter, eine lange Zeit. Von größeren Kräften geführt, von denen wir nichts wissen.
Manchmal geschieht das, was in dieser Geschichte gleichnishaft erzählt wird:
"Der Umweg"
Ein Wanderer, verirrt, doch schnell
und stolz und siegesmutig, traf im Wald den einen Weisen. Ihn fragte er:
"Bin ich auf dem rechten Weg?"
Besorgt schaute der Weise dorthin,
wohin der Wanderer zu gehen strebte. Doch sah er mehr, sah Sumpf und
Dornen, Räuber und den Felsenberg, der am Ende unbezwingbar ist, und
warnte. Er wies dem Fragenden den anderen Weg, der steiler zwar und
länger ihm erschien, doch wo auch Baum mit Frucht und Quelle dem
Wanderer das geben würden, was auf der Reise nötig sei.
Und doch - ging dieser Wanderer den einen Weg.
Der
zweite Weise stand, wie zufällig, am Wegesrand. Auch diesen fragte er
noch nebenbei, nur im Vorübergehen: "Bin ich auf dem rechten Weg?"
Der
zweite nun, wissend was war und werden würde, nickte. "Geh nur!" war
alles, was er sprach. Und sah mit weisem Blick ihm nach.
Der Wanderer
ging leichtfertig bergab. Fast holte ihn der Sumpf ins gnadenlose
Dunkel. Dornen rissen Löcher ihm in Kleider und in Nerven. Räuber nahmen
alles weg bis auf das Hemd und ließen ihn nur leben, weil er um Gnade
bettelte. Ihm blieb nur noch die Angst. Ohne Schuhe stand er vor dem
steilen Fels. Er stieg so lang bis seine Füße bluteten. Dann sank er hin
und weinte. Lange lag er da.
Viel später, unter großen Mühen, in
einem Bogen weit und durch den dichten Wald, wir wissen nicht von
welcher Kraft erhalten, kam er erneut zum Wegpunkt der Entscheidung.
Nun wissend, dankte er für das, was er gelernt. Und dankte auch den Weisen, beiden.
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