Monday Seminars

Kurse von Jutta Montag und Dr. med. Günther Montag

ADHS, "Schwierige Kinder" und ihre geheime Liebe


Helma ist verzweifelt wegen ihres 11-jährigen Sohnes Hans. Sie liebt ihren einzigen Sohn sehr, und doch macht er ihr Kummer: Immer wieder kommt plötzlich etwas über ihn, das Spielen und Gemeinschaft unterbricht und das Helma sehr peinlich ist... Nachher tut es Hans leid, er weint... Manchmal begibt sich der Junge auch sehr leichtsinnig in Gefahr. Er hatte schon einige Unfälle.

Helma sagt sich, jetzt brauche ich Hilfe für mich selbst. Auf dem Tisch bei dem Helfer, den sie aufsucht, liegen kleine Spielfiguren herum. Er fragt Helma erst nur wenig und sagt dann: "Stellen Sie 3 Figuren auf, für Ihren Sohn, Ihren Mann und Sie selbst, so wie Sie zueinander stehen."

Die Figuren für Helma und ihren Mann stehen weit auseinander, jeder schaut ins Leere. Die Figur für den kleinen Hans steht ganz nah bei Helma - wie wenn er sie stützen müßte.

"Na klar" sagt der Helfer. Helma versteht erst nichts. "Er muß Sie halten, damit Sie nicht ins Leere gehen. Wo zieht es Sie eigentlich hin?"

Im weiteren Gespräch hommt heraus, daß Helma als Kind ihren Vater verlor. Sein Tod war eigenes Verschulden, und die Familie spricht nicht gern darüber. Er hatte auch Sachen gemacht, für die er sich schämen mußte. Helma hatte gemeint, das hätte sie längst verschmerzt. Doch die Trauer war nur blockiert. Auf einmal bricht es aus ihr heraus: Ihr Vater hat ihr so gefehlt.

Im Verlauf von einigen Gesprächsterminen kommt Helma mehr zum Frieden. Sie durchlebt eine intensive Trauerphase um den vor 20 Jahren verstorbenen Vater. Dann wird sie ruhiger. Sie fordert nicht mehr so viel von ihrem Mann. Die Ehe wird harmonischer. Hans findet seinen Platz, er darf jetzt Kind sein. Er braucht nun niemand mehr zu vertreten. Seine Symptome braucht er langsam immer weniger.

Was hilft der Familie mit dem "schwierigen" Kind?

Zuerst: vom Symptom weg auf das ganze System schauen. Dabei geht der Blick besonders auf die, die es am Schwersten hatten, so schwer, daß man manchmal von ihnen wegschaut weil es weh tut. Zum Beispiel auf einen früh Verstorbenen. Es kann auch ein abgetriebenes Kind sein, sogar ein abgegangenes Kind das man erst nicht wollte. Dabei sehen wir die tiefe Liebe des Kindes: Sie möchten unbewußt jemand, der nicht im Blick ist, ersetzen oder etwas von früher ausgleichen - selbst wenn sie dabei krank werden oder etwas machen, wofür man sich schämt.

Und die Lösung: Damit nicht in blinder Liebe Schlimmes sich wiederholt, achten wir mit sehender Liebe die bisher Ausgeschlossenen, zum Beispiel hier duch die nachgeholte Trauer. So wird das Kind frei, es wird ruhiger, es darf Kind sein und findet seinen guten Platz.