Beispiel einer Lösung: "Vaters Tochter"
Beispiel 1:Prisca (Name geändert) hat immer Streit mit ihrer Mutter. Sie ist weit weg von ihr gezogen, aber wenn sie die Mutter besucht, bricht wieder Streit aus. Sie möchte der Sache auf den Grund gehen.
Dies sind wichtige Punkte ihrer Familiengeschichte und ihrer Verstrickung, und die Lösungssätze, die der Leiter ihrer Familienaufstellung für sie vorschlug.
Was passiert ist:
Priscas Mutter ist Alkoholikerin und leidet darunter, dass sie zwanghaft putzen muss.
Priscas Vater fühlte sich oft einsam, seit Prisca denken kann. Manchmal flüchtete er in seine eigene Welt, seine Modellbauwerkstatt.
Als Mädchen kochte Prisca für den Vater, wenn die Mutter betrunken war. Sie interessierte sich für sein Hobby und wurde immer geschickter dabei, ihm mit seinen Modellen zu helfen.
Als Erwachsene bekam sie auch den Zwang, zu putzen und zu kontrollieren. Sie hatte 2 Kinder, einen Jungen und ein Mädchen.
Obwohl sie das nicht will, schimpft sie das Mädchen oft wegen Kleinigkeiten.
Die Bindung:
In der Anfangsaufstellung steht Prisca neben ihrem Vater, die Mutter weiter weg.
Aus Liebe zum Vater versucht Prisca schon als kleines Mädchen, ihm die Zuwendung zu geben, die er eigentlich von (s)einer Frau sucht. Es ist, als ob sie - unbewusst - sagen würde:
"Lieber Papa, ich bin die bessere Frau für dich."
Sie fühlt sich als Kind unangemessen groß gegenüber beiden Eltern.
Sie verachtet ihre Mutter.
Dadurch hat sie natürlich Gefühle der Schuld gegenüber ihrer Mutter, sie ist ja wie eine Rivalin.
Unbewusst bestraft sie sich selbst, indem sie auch Putzzwänge bekommt, und auch ihre Tochter ständig schimpft, so wie es ihre Mutter gemacht hat.
Die Lösung:
Um zufrieden zu werden, muss Prisca in ihrem inneren Bild ihren richtigen Platz gegenüber ihren Eltern einnehmen - den Platz eines Kindes.
In der Lösungs-Aufstellung stehen darum Vater und Mutter nebeneinander, und Prisca ihnen gegenüber.
Obwohl es ihr schwer fällt, muss sie die Mutter achten, statt ihre Rivalin zu sein.
Der Leiter schlägt Prisca vor, zur Stellvertreterin ihrer Mutter mit einer Verneigung zu sagen:
"Du bist meine Mutter."
"Ich danke dir, dass du mir das Leben geschenkt hast. Das ist das größte Geschenk."
"Ich achte dein Schicksal und lasse es bei dir."
Am Anfang kann sie diese Sätze noch nicht aus vollem Herzen sagen. Sie hat ja immer ihre Mutter verachtet.
Sie kann am Anfang nur diesen Sätzen zustimmen:
"Ein bisschen mache ich es so wie du."
"Ich bin nicht besser als du."
Danach fallen ihr die anderen Sätze leichter.
Als sie dabei ihre Mutter anschaut, muss sie weinen.
Sie spürt, dass die Liebe von der Mutter jetzt wieder fließen kann.
Dann sagt Prisca zu ihrem Vater:
"Lieber Papa, ich bin nur dein Kind."
Zu beiden Eltern gemeinsam sagt sie:
"Ihr seid meine Eltern, ich bin nur euer Kind."
"Was zwischen euch ist, geht mich nichts an."
"Für mich seid ihr zusammen."
Beispiel 2:
Manuela hat schon viele unglückliche Beziehungen hinter sich. Sie kommt zu einem Selbsthilfe-Seminar, weil wieder eine Beziehung am Zerbrechen ist.
Die Bindung:
Der Vater hatte sich bei ihr ausgeweint, schon als sie noch sehr jung war. Die Mutter war abwesend, nicht spürbar.
Die Lösung:
Manuela sagt zu ihrem Vater:
"Du bist mein Vater. Ich bin nur dein Kind."
(gemeint ist: "... und nicht die bessere Frau für dich, wie ich es als Kind, in blinder Liebe, unbewußt für dich sein wollte!")
Manuela sagt zu ihrer Mutter: "Du bist meine Mama. Ich bin nur dein Kind."
(gemeint ist auch: "... und nicht deine Rivalin!")
In einer kleinen Aufstellung nur mit Manuella und einer Helferin, die hier die Mutter vertritt, geht Manuela zu ihr hin, verneigt sich vor ihr, und die Helferin umarmt sie. Für Manuela ist es wichtig, daß die Liebe von der Mutter zu ihr fließt. Liebe fließt, wie Wasser, nur von "oben" nach "unten" - nur wenn ihr das bewußt ist, geht es. Manuela behält die lösenden Worte und Bilder in ihrem Inneren. Mit dieser Liebe fließt auch weibliche Energie.
Wenn Manuela dieses Bild lang genug in sich wirken läßt, wird aus dem Mädchen langsam eine Frau.
Das Mädchen hat geflirtet, mit den Männern gespielt, und sich dann immer wieder aus der Verantwortung gezogen. Als Frau kann sie nun langsam lernen, eine tiefe Beziehung zu einem Mann einzugehen, mit Geben und Nehmen, und Mutter werden.