Helma ist verzweifelt wegen ihres 8-jährigen Sohnes Hans. Sie liebt ihren einzigen Sohn sehr, und doch macht er ihr so Kummer: Immer wieder kommt plötzlich etwas über ihn, das Spielen und Gemeinschaft unterbricht und das Helma sehr peinlich ist... Nachher tut es Hans leid, er weint... und bisher hat ihm keine Therapie geholfen.
Helma sagt sich, jetzt brauche ich Hilfe für mich selbst. Auf dem Tisch bei dem Helfer, den sie aufsucht, liegen kleine Spielfiguren herum. Er fragt Helma erst nur wenig und sagt dann: "Stellen Sie 3 Figuren auf, für Ihren Sohn, Ihren Mann und Sie selbst, so wie Sie zueinander stehen."
Die Figuren für Helma und ihren Mann stehen weit auseinander, jeder schaut ins Leere. Und das Erstaunliche: Die Figur für den kleinen Hans steht dazwischen, ganz nah bei Helma - wie wenn er sie stützen müßte.
"Na klar" sagt der Helfer. Helma versteht erst nichts. "Er muß Sie halten, damit Sie nicht ins Leere gehen. Wo zieht es Sie eigentlich hin?"
Im weiteren Gespräch hommt heraus, daß Helma als Kind ihren Vater verlor. Sie hat gemeint, das wäre abgeschlossen. Doch die Trauer war blockiert. Auf einmal kommen Tränen. Helma lernt zu sagen: "Mein Papa, du hast mir so gefehlt. Aber ich lasse dich jetzt gehen."
Im Verlauf von einigen Gesprächsterminen kommt Helma mehr zum Frieden. Sie versöhnt sich mit ihrem eigenen Schicksal. Darum fordert sie nicht mehr so viel von ihrem Mann. So wird Helmas Ehe harmonischer, der Mann öffnet sich mehr, obwohl er nie zu den Gesprächen mitkam. Der kleine Hans findet seinen Platz, er darf jetzt Kind sein. Er braucht nun niemand mehr zu vertreten. Und sein peinliches Symptom braucht er langsam immer weniger.
Was gibt also ein guter Helfer der Familie mit dem "schwierigen" Kind?
Er hilft zuerst, vom Symptom weg auf das ganze System zu schauen. Dabei geht der Blick besonders auf die Vergessenen oder nicht genug Gewürdigten - wie hier im Beispiel auf den früh verstorbenen Vater. Dabei sehen wir die tiefe Liebe der Kinder: Sie möchten unbewußt einen Früheren, der nicht im Blick ist, ersetzen oder etwas von früher ausgleichen - selbst wenn es sie krank macht oder sogar das Leben kostet!
Manchmal finden wir dann eine Lösung: Damit nicht in blinder Liebe Schlimmes sich wiederholt, achten wir mit sehender Liebe die bisher Ausgeschlossenen, zum Beispiel hier duch die nachgeholte Trauer. So werden die Kinder frei und finden ihren guten Platz.
Was ist, wenn wir keine Lösung finden? Dann finden wir doch Versöhnung und Frieden, denn die Vorwürfe hören auf.