Lösungsbeispiel: "Ich folge dir in den Tod"



Der unbewußte Wunsch, jemandem in den Tod zu folgen, ist eine häufige verborgene Kraft in Familien, wo es frühe und tragische Todesfälle gab.
Der Todeswunsch ist aber auch bei Nachkommen von Tätern, z.B. Kriegsverbrechern. Denn die Opfer einer Gewalttat bleiben mit der Familie des Täters verbunden, und Kinder des Täters möchten die Schuld ausgleichen und auch sterben.
Hans (Name geändert) hat begonnen, das Verhältnis mit seinem Vater zu klären.
Dies ist eine sehr kurze Zusammenfassung der vermuteten Vorgeschichte, den Verstrickungen von Hans und den Lösungssätzen, die beginnen, in Hans zu wirken.

Vorgeschichte:
Der Vater von Hans war im Krieg. Er spricht nie über den Krieg. Er spricht auch nie über persönliche Dinge. Er hat Hans und seine Geschwister brutal behandelt. Er zieht sich von der Familie zurück.
Hans hat ein freundliches Wesen. Aber er hat Wutanfälle und befürchtet, damit seiner Familie zu schaden. Hans ist zeitweise euphorisch, zeitweise sehr depressiv. Er hat schon seit der Kindheit eine Sehnsucht zu sterben. Er hatte oft Unfälle, wo er nur knapp dem Tod entrann. Er träumt von Blut. Hans ist sehr religiös und sehnt sich nach dem Jenseits.

Die Bindung:
Wegen der Misshandlungen schließt Hans seinen Vater aus seinem Leben aus. Unbewusst ist er aber mit seinem Vater identifiziert und übernimmt seine Schuld, und ahmt ihn in seiner Neigung zur Gewalttätigkeit nach.
Möglicherweise ist Hans zusätzlich noch mit Menschen identifiziert, die der Vater im Krieg getötet hat.

Die Lösung:
Für Hans ist es wichtig, das Schwere bei denen zu lassen, deren Schicksal es ist.
In einer Familienaufstellung:
Ein Stellvertreter für ein Mordopfer legt sich vor Hans auf den Boden.
Hans spürt daraufhin den Drang, sich daneben zu legen. Als er es probeweise tut, fühlt er Frieden.
Der Stellvertreter für den Vater von Hans legt sich nun  neben den Stellvertreter für das Opfer. Die beiden schauen sich an. Sie sind sich im Tod gleich. So wird Frieden.
Hans fühlt sich nun frei, aufzustehenden und zu den Lebenden zu schauen.

Diese Bewegung hin zu den Lebenden wird durch diese lösenden Worte unterstützt:
zum Vater:
"Du bist mein Vater. Ich bin dein Kind."
"Ich lasse deine Schuld bei dir."
"Ich lasse dich gehen."
und zu den Opfern der Kriegsverbrechen:
"Ich achte dein Schicksal."
"Aber hier bin ich nur ein Kind."
"Schau bitte freundlich auf mich, wenn ich am Leben bleibe."

Das Opfer ist nach einer Zeit innerlich bewegt und schaut freundlich, ohne Vorwurf.

Diese Dinge gehen sehr tief. Sie brauchen Zeit, um zu wirken.

Wenn wir die Toten mit Achtung anschauen, merken wir daß sie in Frieden sind und es ihnen gut geht. Das hilft, damit wir uns ihnen gegenüber nicht schuldig fühlen, weil wir noch am Leben sind.

In manchen Familien herrscht eine Tradition des Verschweigens und Vergessens. Treu zu dieser Haltung wird vielleicht das, was hier im Rahmen einer Familien-Aufstellung ans Licht gekommen ist, auch wieder "vergessen".

Aber es wirkt im Verborgenen zum Guten weiter.